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Kurzarbeit - was bisher geschah - der Ausblick auf die nächsten Tagen und Wochen
geschrieben von: Wilhelm Kurzböck ()
Datum: 10. May 2020 11:57

Liebe Personalverrechnungs-Community!


Man kann - so denke ich - ohne √úbertreibung sagen, dass wir alle hier an einem Punkt angelangt sind, wo Verzweiflung, Wut, immenser Stress und eine unendlich scheinende M√ľdigkeit und vermutlich auch Umschulungsgedanken an der Tagesordnung stehen (Beachten Sie bitte: beim Thema "Umschulung" haben Sie m√∂glicherweise wieder mit dem AMS zu tun).

Ich nehme den heutigen Muttertag einfach mal zum Anlass - ganz n√ľchtern - zu analysieren, was bisher geschah:

Es war ein Freitag, der 13. M√§rz 2020, als durchsickerte, dass in √Ėsterreich quasi der Notstand ausgerufen w√ľrde, was dann in Form eines "Shut down" ja auch geschah.

An diesem folgenden Wochenende wurde uns allen dann auch ein Kurzarbeitsmodell √ľber eine Pressekonferenz pr√§sentiert, das - so waren sich die Sozialpartner und Regierungsspitzen einig - ganz einfach w√§re und von einer Nettosicherung ausgehen w√ľrde.

An diesem Tag sauste dann praktisch das Fallbeil √ľber die Betriebe, die vielen ratlosen Personalverrechner/innen, die Arbeitnehmer/innen der Wirtschaftskammer und jene des AMS hernieder.

Was von der Opposition kritisiert wurde, dass wir nun Hilfe br√§uchten und keine B√ľrokratie, nahm nun leider gnadenlos seinen Lauf.

Und ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich mir vorkam wie in einer Blase. Eine Sozialpartnereinigung, aus der man leider f√ľr die Praxis recht wenig ableiten konnte, ein v√∂llig √ľberforderter, weil √ľberschwemmter Apparat bei der Wirtschaftskammer und beim AMS, war ebenso nicht in der Lage, hier Ausk√ľnfte zu erteilen.

Dann kamen die ersten Vordrucke f√ľr ein Kurzarbeitsbeihilfebegehren und es begann das Eigenleben des AMS. Eine Journalistin des Wochenmagazin "Falter" meinte zu mir, dass gerade in Krisen die Strukturschw√§chen massiv zutage treten w√ľrden. Und das war leider beim AMS ganz massiv der Fall (Stichwort: 30 Jahre alte Software, die keine √Ąnderungen zul√§sst und nur √ľber DSGVO-bedenkliche Korrekturschritte dieselben zulassen w√ľrde, etc....)

Man konnte den Mitarbeiter/innen des AMS das Bem√ľhen, die Situation zu retten, wirklich nicht absprechen. Allerdings kamen von den fachlichen F√ľhrungsebenen nach und nach ge√§nderte Interpretationen, unterschiedlichste Empfehlungen in den Bundesl√§ndern. Man erstellte interne FAQ, die aber f√ľr "die da drau√üen" (also f√ľr uns, die wir diese Infos dringend ben√∂tigten) nicht zug√§nglich waren.

Eine klassische "Mia san Mia"-Mentalit√§t, die auch noch darin gipfelte, dass manche/r AMS-Mitarbeiter/in meinte, wir sollen uns der Lohnverrechnung nicht so anstellen (eine √Ąu√üerung, die ich nicht mehr ernst nehmen konnte).

Eine Woche vor meinen Geburtstag (oder eine Woche nach der Ausrufung des Notstandes) erkannte man nun seitens der Wirtschaftskammer den Ernst der Lage auch auf dieser Ebene (es war ja √ľberall ernst), aber dass auch die Personalverrechnung Schlagseite erlitten hatte, erkannte man erst nach einer "Schreck-Woche". Es war ein Satz, der den Herrschaften "eingefahren" war: was tun wir eigentlich, wenn wir nicht mehr abrechnen k√∂nnen, wenn am Monatsende anstelle eines Nettobetrages ein gro√ües "Nichts" herauskommt? Ich wei√ü, dass ich in diesen Tagen sehr plakativ unterwegs war, was ev. sonst nicht meine Art ist, aber mit Sch√∂nreden war in diesen Tagen nichts zu gewinnen.

Also wurde eine Task-Force gegr√ľndet, bestehend aus sechs externen Mitgliedern (mittlerweile sind wir nur noch 3), weil es in weiterer Folge einige vorzogen, die Dinge mit der KSW voranzutreiben. Aber hier muss man der Wirtschaftskammer gro√üen Respekt zollen, welche die Notwendigkeit eines derartigen Vorgehens auch kompromisslos anerkannte und hier ganz schnell handelte.

Diese Task-Force sollte helfen, den "Kurzarbeits-Karren" aus dem Dreck zu ziehen. Unsere Gruppen legten auch sogleich los wie der Wirbelwind. Aber es war auch ein Wettlauf mit der Zeit.

Und so musste ich in der Karwoche allen Mut zusammennehmen und allen Beteiligten mitteilen, dass wir - wenn wir ehrlich sind - das alles niemals bis zur Aprilrechnung hinbekommen w√ľrden, weil noch so viele Fragen ungekl√§rt waren und bei den Fragen, f√ľr die wir L√∂sungen hatten, noch keine "R√ľckendeckung" vorhanden war (wegen fehlender Gesetze sowie wegen fehlender gemeinsamer Interpretationen der Sozialpartner).

Wir hätten ohne Weiteres eine Beispiel- und Frage-Antworten-Sammlung kurz nach Ostern auf Sie loslassen können, allerdings wären Sie dann alle miteinander einer heftigen Haftungs- und Diskussionslawine ausgesetzt gewesen.

So sind nämlich bis zum heutigen Tage folgende Fragen nicht restlos ausgeräumt:

1. Von welchem "netto" sollen wir denn wirklich ausgehen?

2. Betrifft die Nettosicherung ausschließlich nur die ausfallenden Stunden oder umfasst die Nettosicherung den Bezug des gesamten Monats (also das Geleistete und das Ausgefallene)?

3. Kommt es im Zuge des Kurzarbeitszeitraumes zu einer Durchrechnung der geleisteten und ausfallenden Quote oder muss man jeden Monat so abrechnen, wie er sich "pr√§sentiert" (mit ausfallenden Stunden und geleisteten Stunden je Kalendermonat und wird eine Schnittberechnung gemacht, was ja auch f√ľr die Kommunalsteuer nicht unwichtig ist)?


Sie werden es nicht glauben: diese drei Fragen sind bis heute nicht einhellig geklärt. Auch wenn manche meinen, das wäre geklärt: Sie waren dann bei den Abstimmgesprächen leider nicht mit dabei, die uns die Euphorie des erreichten Zieles wieder genommen hatten.

Vielleicht wäre es besser gewesen, einfach Lösungen zu präsentieren und zu hoffen, dass es nicht allzuviel rumort, was aber bei 1 Million Arbeitnehmer/innen in Kurzarbeit möglicherweise ein fahrlässiges Vorgehen gewesen wäre und Sie alle in Haftungen und Streitereien verwickelt hätten.

Je mehr aber dann mitredeten, desto verfahrener wurde der Karren. Jedenfalls waren sich die Arbeitnehmervertretungen (auch unter einander) uneinig und beim AMS hatte man das Gef√ľhl, √ľberhaupt in einer eigenen Welt zu leben, denn da wurden dann in der Zwischenzeit wieder neue Tools bereitgestellt, die dann alle paar Tage wieder abge√§ndert wurden und mit - sagen wir - bescheidenen Hilfen dann auf die Fachwelt losgelassen wurden. Hilfreich w√§re es gewesen, von Task force (WK) zu Task force (AMS) vor dem Loslassen die Abstimmungsarbeiten machen zu lassen. Aber das AMS l√§sst sich da nix dreinreden, die haben das nicht notwendig.

Wir von unserer Taskforce aus arbeiteten dann eine Handlungsanleitung aus, damit man mal vorl√§ufig auf der sicheren Seite (in jede Richtung) war, aber mit dem gro√üen Wermutstropfen, dass irgendwann einmal der Tag der Wahrheit (n√§mlich der endg√ľltigen Abrechnung) kommen w√ľrde.

In der Zwischenzeit habe ich mal einen "Klartext" losgelassen, im Zuge dessen ich die Zust√§nde, die sich uns allen boten, beschrieb und skizzierte, wie sich das √ľber die Jahre aufgebaut hatte. Dieser erreichte in Summe knapp 100000 Leute und somit auch die Ministerien.

Dieser Text wurde auch im Arbeitsministerium wahrgenommen. Ich möchte mal nicht zu euphorisch sein, aber hier hat sich eine Art "Kooperation" gebildet, wodurch ich jetzt zum Ausblick komme:

DER AUSBLICK:

Wir stellen also fest, dass wir im Moment immer noch zu wesentlichen Fragen keine verbindlichen Aussagen zu den Abrechnungen treffen können und dass die von uns vorbereiteten Konzepte daher noch immer gefährlich wie Granaten wären.

Aber das Arbeitsministerium hat mittlerweile auch einen Teil des Ruders an sich gerissen und nun auch zu mir einen Kontakt gesucht und gehalten.

Wir haben ja in der Zwischenzeit einen Gesetzestext ausgearbeitet, der in den nächsten Tagen (also im Mai 2020) durch das Parlament gehen soll.

Parallel dazu wurde uns der Fragenkatalog √ľbermittelt mit den Anmerkungen von ministerieller Seite und wurden scheinbar auch Gespr√§che mit dem AMS gef√ľhrt, die dazu dienten, die Einheit zu vergr√∂√üern.

Desweiteren planen ja die Sozialpartner noch eine authentische Interpretation.

Im Laufe der kommenden Woche (also ab 11.05.2020) soll dann auch das Konzept f√ľr die Phase 2 (Verl√§ngerung der Kurzarbeit pr√§sentiert werden).

Ein ganz gro√üer Unsicherheitsfaktor ist nun die Zeit: vern√ľnftigerweise darf man eigentlich nicht mehr davon ausgehen, dass sich hier alles bis Ende Mai 2020 ausgehen wird, sondern es wird - aus heutiger Sicht - wohl der Juni 2020 der "Monat der Abrechnung" werden.

Bis dahin werden wir wieder auf Hochtouren arbeiten, um die gesicherte Beispielsammlung zum einen und das Frage-Antworten-Protokoll zum anderen zu erstellen, diesmal aber mit weitaus besserer Ausgangsposition als davor.

Ich werde Sie auch laufend wieder √ľber meine Kan√§le informieren (auch √ľber das Give-me-WIKU-5). Bitte, n√ľtzen Sie auch dieses kostenlos Info-Angebot. √úber die detaillierten Dinge informiere ich dann auch - wie gewohnt - in der WIKU-Personal aktuell (Premium-Abo empfohlen).

Haben Sie bitte daher auch Verst√§ndnis, dass ich mich zwar nach Kr√§ften bem√ľhe, Fragen zu beantworten, aber es meine Zeit m√∂glicherweise bis Ende Mai/Anfang Juni 2020 nicht mehr zulassen wird, 30 bis 40 Fragen pro Tag zu beantworten. Das Fachforum bietet aber auch Gelegenheit, sich gegenseitig auszutauschen.

Dasselbe gilt f√ľr emails, die bei mir einlangen, um fachliche Hilfestellung zu erlangen.

Daher meine Bitte: lassen Sie mich dieses Projekt in Ruhe zu Ende f√ľhren. Ich bereite zur Zeit wirklich ganz viel vor, damit dann "Kurzarbeit-√Ėsterreich" loslegen kann. Diese offiziellen FAQ und Beispiele werden Ihnen allen kostenlos zur Verf√ľgung gestellt werden.

Erg√§nzend dazu werde ich auch Webinare abhalten f√ľr jene, die einfach gerne auch die pers√∂nliche Anleitung dazu h√§tten, wenngleich ich die Informationen so gestalten m√∂chte, dass sie f√ľr jedermann verst√§ndlich ist (ohne Webinar und damit ohne Zusatzkosten).

Jene, die das Kurzarbeits-Digitalpaket bei mir bestellt haben bzw. schon ein Kurzarbeits-Webinar bei mir besucht haben, erhalten - wie angek√ľndigt - dann auch diese erg√§nzenden Materialien kostenlos und ohne weiter Aufforderung zugesandt.

Was ich derzeit noch nicht sagen kann, ist, wann das alles sein wird. Ich denke aber, dass es Mitte Juni 2020 allerspätestens auch mit den Schulungsunterlagen soweit sein sollte.

Danach werde ich noch zwei bis drei Wochen zur Verf√ľgung stehen und dann mal ein bis zwei Wochen in eine Pause abtauchen m√ľssen, damit die Wucht der Ereignisse sowie der vielen Arbeit mich nicht selbst in die Knie zwingt.

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinen Kolleg/innen der Kurzarbeits-Task-Force sowie der Wirtschaftskammer bedanken, die in den letzten Wochen Unmenschliches geleistet haben, um im Hintergrund sehr viel Struktur aufrechtzuerhalten und endlose Verhandlungsstunden hingelegt haben (teilweise auch im "Familien-Home-office, um dann die offenen Probleme mit in den teilweise nicht mehr vorhandenen Schlaf mitzunehmen). Einer dieser Kollegen sagte zu mir, dass seine kleine Tochter zu ihm meinte: Sie versteht das mit der Kurzarbeit nicht bei den vielen Stunden, die er hier leistet.

Ich m√∂chte mich aber auch bei jenen Kolleg/innen des AMS bedanken, die mir - obwohl sie es eigentlich gar nicht d√ľrfen - f√ľr das Wohl aller Lohnverrechner/innen Informationen "steckten", die ich dann anonymisiert 1 : 1 weitergeben durfte.

Bedanken möchte ich mich auch bei den Mitarbeiter/innen des Arbeitsministeriums, die den Ernst der Lage erkannt haben und hier auch neue Wege des Miteinander nun beschreiten.

Zu guter Letzt m√∂chte ich mich bei den vielen Lohnverrechner/innen und Mitarbeiter/innen von Softwareherstellern bedanken, die in diesen nicht enden wollenden Stunden des Lohnverrechnungs-Armageddon die Position halten gegen Unwissen, gegen Halbwissen und gegen Besserwissen und auch die eigenen √Ąngste dabei bek√§mpfen. Die √§rgsten Feinde hat man ja h√§ufig leider auch "im eigenen Lager".

F√ľr Sie alle k√§mpfe auch ich weiter, bis wir die L√∂sung haben und bis wir endlich erreicht haben, dass man auch bei k√ľnftigen Projekten im Zuge deren Realisierung mit uns in Augenh√∂he in Kontakt tritt, weil wir es sind, die daf√ľr sorgen, dass am Monatsende Geld auf dem Konto ist und damit so etwas wie jetzt, n√§mlich eine Mischung aus Unsinn, Eitelkeiten und Ego nicht mehr die Lohnverrechnung zu einem Infarkt f√ľhrt.

In diesem Sinne: halten Sie bitte alle durch!

Ich w√ľnsche Ihnen einen sch√∂nen Muttertag!

Herzlichst

Ihr WI(lhelm)KU(rzböck)

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