ARS Personalverrechnungsnews : ARS Foren

ARS - Akademie für Recht & Steuern
 

DAS VERTRETERPAUSCHALE - es lohnt sich zu kÀmpfen
geschrieben von: ARS ()
Datum: 30. August 2007 12:22

Zwei unverstÀndliche Rechtsansichten der Finanz

FALL 1: GESCHÄFTSFÜHRER
Ein GeschĂ€ftsfĂŒhrer war im Außendienst tĂ€tig und beantragte daher in seiner Arbeitnehmerveranlagung die BerĂŒcksichtigung des Vertreterpauschales. Die Finanz ließ ihn abblitzen mit der BegrĂŒndung, dass ein GeschĂ€ftsfĂŒhrer stets auch typische GeschĂ€ftsfĂŒhreraufgaben zu erledigen hĂ€tte und daher kein Vertreterpauschale beantragen könne.

FALL 2: AUßENDIENSTMITARBEITER EINES SANITÄRGROßHANDELS
Ein Mitarbeiter ist fast ausschließlich im Außendienst tĂ€tig. Zu seinen Aufgaben zĂ€hlen neben der Anbahnung und dem Abschluss von GeschĂ€ften auch – wenn auch im untergeordnetem Ausmaß – die Erledigung von Reklamationen und das Urgieren der Einhaltung vereinbarter Zahlungsziele. Die Finanz lehnte die BerĂŒcksichtigung des Vertreterpauschales mit der BegrĂŒndung ab, das Reklamationserledigungen und InkassotĂ€tigkeiten schĂ€dliche TĂ€tigkeiten sind und daher kein Vertreterpauschale zustĂŒnde.

Bevor wir den UFS zu Wort kommen lassen, einen kurzen Überblick ĂŒber die Rechtslage.

DIE RECHTSLAGE
Aufgrund des § 17 Abs 6 EStG wurde eine Verordnung (BGBl II 2001/382) erlassen, in der fĂŒr bestimmte Berufsgruppen - darunter auch fĂŒr angestellte Vertreter – DurchschnittsĂ€tze fĂŒr Werbungskosten geregelt sind. Die fĂŒr Vertreter geltenden Bestimmungen dieser Verordnung lauten:

§ 1 der Verordnung:
„FĂŒr nachstehend genannte Gruppen von Steuerpflichtigen werden nach den jeweiligen Erfahrungen der Praxis anstelle des Werbungskostenpauschbetrages gemĂ€ĂŸ § 16 Abs. 3 EStG 1988 folgende Werbungskosten auf die Dauer des aufrechten DienstverhĂ€ltnisses festgelegt:


9. Vertreter
5% der Bemessungsgrundlage, höchstens 2.190 Euro jÀhrlich.
Der Arbeitnehmer muss ausschließlich VertretertĂ€tigkeit ausĂŒben. Zur VertretertĂ€tigkeit gehört sowohl die TĂ€tigkeit im Außendienst als auch die fĂŒr konkrete AuftrĂ€ge erforderliche TĂ€tigkeit im Innendienst.

Von der Gesamtarbeitszeit muss dabei mehr als die HĂ€lfte im Außendienst verbracht werden.“



Die Verordnung regelt den Begriff „Vertreter“ nicht.

Der besondere Nutzen des Vertreterpauschales besteht darin, dass dieser Pauschalbetrag neben den vom Arbeitgeber ausbezahlten Tag-, NĂ€chtigungs- und Kilometergeldern als Werbungskosten steuermindernd geltend gemacht werden kann.


DIE ENTSCHEIDUNGEN DES UFS

FALL 1: GESCHÄFTSFÜHRER
Der UFS teilt erwartungsgemĂ€ĂŸ die Rechtsansicht der Finanz nicht.

Der Rechtssatz des UFS (GZ RV/0438-L/05 vom 22.11.2006) lautet:
„Allein die Tatsache, dass jemand GeschĂ€ftsfĂŒhrer einer GesmbH ist, fĂŒhrt nicht zur Aberkennung eines beantragten Vertreterpauschales. Bei entsprechender TĂ€tigkeit (Außendienst, Kundenverkehr in Form des Abschlusses von GeschĂ€ften) ist auch einem GeschĂ€ftsfĂŒhrer das Vertreterpauschale zu gewĂ€hren.“

Ist die TĂ€tigkeit auf GeschĂ€ftsabschlĂŒsse ausgerichtet, schließt eine geringfĂŒgige sonstige VerwaltungstĂ€tigkeit (zB als GeschĂ€ftsfĂŒhrer) die Inanspruchnahme des Vertreterpauschales nicht aus.

FALL 2: AUßENDIENSTMITARBEITER EINES SANITÄRGROßHANDELS
Auch in diesem Fall hob der UFS den Bescheid des Finanzamtes wegen Rechtswidrigkeit auf.

Die beiden lesenswerten RechtssÀtze des UFS (GZ RV/1026-W/06 vom 27.07.2007) lauten:

Rechtssatz 1
Die Berufsgruppe der Vertreter im Sinne der Werbungskostenpauschalierungs-Verordnung umfasst einen weit gezogenen Kreis von BerufstĂ€tigen. Vertreter sind Personen, die regelmĂ€ĂŸig im Außendienst zwecks AbschlĂŒssen von GeschĂ€ften und Kundenbetreuung tĂ€tig sind. Damit zusammenhĂ€ngende TĂ€tigkeiten wie Abrechnungen mit Kunden, der Nachweis des Arbeitseinsatzes und die Einholung von Weisungen im Innendienst sind Ausfluss einer solchen TĂ€tigkeit und deshalb fĂŒr die Anwendung der Pauschalierung unschĂ€dlich (VwGH vom 9.11.1983, 82/13/0146).

Rechtssatz 2
Die Entgegennahme von Reklamationen und das Urgieren der Einhaltung der Zahlungsfristen betreffend die vom Außendienstmitarbeiter vermittelten GeschĂ€ftsabschlĂŒsse ist als eine mit der TĂ€tigkeit des Dienstnehmers als Vertreter zusammenhĂ€ngende BetĂ€tigung anzusehen.


HINWEISE FÜR DIE PRAXIS
* Der VertretertĂ€tigkeit fĂŒr den Verkauf von Waren ist gleichzuhalten, wenn RechtsgeschĂ€fte ĂŒber Dienstleistungen im Namen und fĂŒr Rechnung des Arbeitgebers abgeschlossen werden.
* Wenn ein Dienstnehmer im Rahmen seines (den Innendienst ĂŒberwiegenden) Außendienstes auch TĂ€tigkeiten der AuftragsdurchfĂŒhrung verrichtet, ist er dennoch als Vertreter tĂ€tig, solange der Abschluss von GeschĂ€ften im Namen und fĂŒr Rechnung seines Arbeitgebers (ĂŒber Verkauf von Waren oder Erbringung von Dienstleistungen) eindeutig im Vordergrund steht. Steht der GeschĂ€ftsabschluss im Vordergrund der ArbeitnehmertĂ€tigkeit, so sind damit zusammenhĂ€ngende TĂ€tigkeiten wie Entgegennahme mit Reklamationen und das Urigieren der Einhaltung der Zahlungsfristen unschĂ€dlich.
* Die Arbeitszeit im Außendienst muss jedenfalls die Arbeitszeit fĂŒr den Innendienst ĂŒberwiegen.
* Der Arbeitnehmer muss ausschließlich VertretertĂ€tigkeit ausĂŒben, dh eine zusĂ€tzliche, andere Funktion wie bspw Mitarbeit in den Bereichen Controlling, Personaladministration, Rechnungswesen etc. schließt die Möglichkeit der Inanspruchnahme des Vertreterpauschales aus.
* Eine AußendiensttĂ€tigkeit, deren vorrangiges Ziel nicht die HerbeifĂŒhrung von GeschĂ€ftsabschlĂŒssen ist, zĂ€hlt nicht als VertretertĂ€tigkeit. Hat die AußendiensttĂ€tigkeit vorrangig KontrolltĂ€tigkeiten oder InkassotĂ€tigkeiten zum Inhalt, so liegt keine VertretertĂ€tigkeit vor.


Autor: Herr Mag. Ernst Patka



Sie haben nicht die erforderliche Berechtigung, um in diesem Forum zu schreiben.
This forum powered by Phorum.